Startseite · Legenden & Bräuche · Spukorte in den Karpaten: Ein Wald, der nicht antwortet, ein Schloss aus Trauer

Aus den Karpaten

Hoia Baciu: ein Wald, der nicht antwortet – und ein Schloss aus Trauer

Manche Orte lassen sich nicht einfach erklären – sie widersetzen sich jeder Erklärung. Ein Wald bei Cluj, dessen Bäume seit Jahrzehnten niemand erklären kann, und ein Schloss in Câmpina, gebaut nach den Anweisungen einer Toten. Zwei sehr reale Orte, an denen sich zeigt, wie hartnäckig sich manche Dinge weigern zu verschwinden.

Teilen WhatsApp Facebook E-Mail

Der Wald, der sich nicht erklären lässt

Der Hoia-Baciu-Wald liegt direkt vor den Toren von Cluj-Napoca in Siebenbürgen, ein knapp drei Quadratkilometer großes Laubwaldstück, das offiziell als Naherholungsgebiet gilt – und gleichzeitig als der meistfotografierte „Spukwald" Rumäniens. Wer hineingeht, sieht als Erstes die Bäume: Hunderte Stämme im westlichen und mittleren Teil des Waldes wachsen in Spiralen, rechten Winkeln oder Korkenzieherformen, manche drehen sich fortlaufend, andere knicken erst waagerecht ab, bevor sie wieder senkrecht weiterwachsen. Anders als etwa der „Schiefe Wald" in Polen, dessen Bäume alle in dieselbe Richtung gebogen sind, folgt die Verformung hier keinem erkennbaren Muster – eine einzelne mechanische Ursache wie Schneedruck oder Windscherung erklärt das nicht ohne Weiteres.

Mitten im Wald liegt die Poiana Rotundă, eine nahezu perfekt ovale Lichtung von rund 290 Metern Durchmesser mit einem auffällig scharfen Übergang zum umgebenden Wald – kaum eine Zone, in der Bäume allmählich dünner werden, sie hören fast abrupt auf. In der Mitte der Lichtung wächst bis heute kaum etwas, während sich an den Rändern langsam Vegetation zurückerobert. Bodenproben fanden weder Schwermetalle noch auffällige pH-Werte; geophysikalische Messungen registrieren gelegentlich kleine Feldschwankungen, wie sie auch anderswo vorkommen. Eine allgemein anerkannte Erklärung für die Form der Lichtung gibt es nicht.

Die Nacht des Emil Barnea

Am 18. August 1968 fotografierte der Techniker Emil Barnea, damals 45 Jahre alt, gemeinsam mit seiner Begleiterin Zamfira Mattea am Rand des Waldes ein scheibenförmiges, silbrig glänzendes Objekt, das lautlos über der Lichtung stand. Mit einer einfachen Energija-Kamera gelangen ihm vier Aufnahmen, bevor das Objekt verschwand. Die Bilder erschienen wenig später in einer Lokalzeitung und gelten bis heute als eine der klarsten fotografischen UFO-Sichtungen aus dem Rumänien jener Zeit. Barnea war Mitglied der Kommunistischen Partei – geschützt hat ihn das nicht: Nach der Veröffentlichung wurde er beruflich zurückgestuft. Ein offizielles rumänisches UFO-Forschungsprogramm gab es unter Ceaușescu nie; Meldungen wie diese wurden, wenn überhaupt, still abgelegt statt untersucht.

Forscher, Legenden und was sich nicht bestätigen lässt

Der Biologe Alexandru Sift soll in den 1950er-Jahren als einer der Ersten systematisch im Wald recherchiert haben – berichtet werden „seltsame Schatten" und die Aufnahme einer halbtransparenten Gestalt. Der Großteil seines Materials gilt heute als verloren oder zerstört; überprüfen lässt sich davon nichts mehr. Ab den 1970er-Jahren organisierte der Chemieprofessor Adrian Pătruț von der Babeș-Bolyai-Universität eigene Exkursionen in den Wald und veröffentlichte später ein Buch dazu; populäre Berichte zitieren ihn bis heute gern, eine kontrollierte, nachvollziehbare Methodik dokumentieren sie jedoch nicht.

Am hartnäckigsten hält sich die Geschichte eines fünfjährigen Mädchens, das im Wald verschwunden und fünf Jahre später unverändert und in derselben Kleidung wieder aufgetaucht sein soll. Eine offizielle, überprüfbare Dokumentation dieses Falls gibt es nicht – die Geschichte lebt ausschließlich als mündlich weitergegebene Erzählung. Genau diese Grenze ist entscheidend: Der Wald selbst – die verdrehten Bäume, die kahle Lichtung, Barneas vier belichtete Filmbilder – ist real und dokumentiert. Was daraus im Lauf der Jahrzehnte an Legenden gewachsen ist, ist das nicht in gleichem Maß.

Ein Schloss, gebaut nach den Anweisungen einer Toten

Rund 400 Kilometer südlich, am Rand der Karpaten in Câmpina, steht ein Gegenstück – kein Ort voller ungeklärter Phänomene, sondern einer, der aus Trauer heraus gebaut wurde. Iulia Hasdeu kam 1869 in Bukarest zur Welt und war ein außergewöhnliches Kind: Sie schrieb schon früh Gedichte auf Rumänisch und Französisch, beendete die Grundschule mit acht, ihr Musikstudium mit elf und schrieb sich 1886 als erste Rumänin überhaupt an der Sorbonne ein, wo sie eigene Vorlesungen hielt und an einer Doktorarbeit über rumänische Volksphilosophie arbeitete. 1888, mit gerade achtzehn Jahren, starb sie in Bukarest an einer Tuberkulose, die sie sich in Paris zugezogen hatte.

Ihr Vater, der bedeutende rumänische Gelehrte Bogdan Petriceicu Hasdeu, verkraftete den Verlust nie wirklich. Er widmete den Rest seines Lebens der Veröffentlichung ihrer Schriften – und der Überzeugung, mit ihr durch Séancen weiter in Verbindung zu stehen. Zwischen 1894 und 1896 ließ er in Câmpina ein Schloss errichten, das er nach eigener Aussage nach den Anweisungen erbaute, die ihm der Geist seiner Tochter während dieser Séancen übermittelt habe: drei Türme, drei unterirdische Räume, Treppen mit jeweils genau sieben Stufen – die Zahlen drei und sieben sollen ihr zufolge besondere Bedeutung tragen. Über dem massiven Eingang, flankiert von steinernen Thronen und Sphingen, wacht ein Auge der Vorsehung, versehen mit dem Datum 2. Juli. Das Gebäude steht seit 1955 unter Denkmalschutz und beherbergt seit 1994 ein Museum – mit Iulias persönlichen Gegenständen und, bemerkenswerterweise, den originalen Séance-Protokollen ihres Vaters. Manche Besucher berichten, ihr Geist sei auf dem Gelände zu sehen, in einem weißen Morgenmantel, mit Gänseblümchen in der Hand – eine Behauptung, für die es außer diesen Erzählungen keine Belege gibt.

Was Orte und Trauer gemeinsam haben

Hoia-Baciu und das Hasdeu-Schloss könnten unterschiedlicher kaum sein – ein Wald voller ungeklärter Phänomene ohne erkennbaren Urheber, ein Schloss, das ein einzelner, sehr bestimmter Mensch aus einem sehr bestimmten Grund gebaut hat. Und doch verbindet beide dieselbe Bewegung: Ein Ort hört auf, einfach nur Land zu sein, sobald genug Menschen glauben, dass dort etwas zurückgeblieben ist – eine Anomalie, die niemand erklären kann, oder eine Tochter, die ein Vater partout nicht gehen lassen wollte. In den Karpaten-Chroniken ist das kein Zufall, sondern das eigentliche Thema: Orte und Menschen, die etwas festhalten, obwohl – oder gerade weil – es längst hätte losgelassen werden müssen.

Was davon in den Büchern steckt

Florica, die vierzig Jahre lang an einem Fenster auf eine Stimme wartete, der sie einmal geantwortet hatte, ist Bogdan Petriceicu Hasdeu nicht unähnlich, der jahrzehntelang an Séancen festhielt, um seine Tochter nicht endgültig zu verlieren. In den Karpaten-Chroniken von Corben Vale sind es selten die lautesten Phänomene, die am meisten Angst machen – es ist die stille, beharrliche Weigerung loszulassen, ob nun ein Mensch ein Geheimnis festhält oder ein Ort eine Erinnerung. Wer wissen will, warum manche Orte einfach nicht „nur Land" bleiben, findet in Hoia-Baciu und Câmpina zwei sehr reale Beispiele dafür.

Woher wir das wissen

Zum Hoia-Baciu-Wald liefert der englischsprachige Wikipedia-Artikel „Hoia-Baciu Forest" die zentralen Eckdaten zu Lage, Größe und der Sichtung von 1968; weitergehende Angaben zu Alexandru Sift, Adrian Pătruț und der Geschichte des verschwundenen Mädchens stammen aus populären, nicht wissenschaftlich geprüften rumänischen und internationalen Berichten und werden hier bewusst als das gekennzeichnet, was sie sind: unbestätigte Überlieferung, keine belegten Fakten. Zu Iulia Hasdeu und dem Schloss in Câmpina dienten die Wikipedia-Artikel „Iulia Hasdeu" und „Iulia Hasdeu Castle" sowie ein Beitrag von Atlas Obscura als Quellen; das Schloss ist seit 1955 rumänisches Baudenkmal und seit 1994 öffentlich zugängliches Museum, in dem die originalen Séance-Protokolle Bogdan Petriceicu Hasdeus bis heute zu besichtigen sind.

Häufige Fragen

Was ist am Hoia-Baciu-Wald so besonders?

Hunderte Bäume wachsen dort in Spiralen, rechten Winkeln oder Korkenzieherformen ohne erkennbares Muster, und in der Mitte liegt die fast perfekt ovale Lichtung Poiana Rotundă, auf der bis heute kaum etwas wächst – eine allgemein anerkannte Erklärung dafür gibt es nicht.

Was geschah 1968 im Hoia-Baciu-Wald?

Der Techniker Emil Barnea fotografierte gemeinsam mit einer Begleiterin ein scheibenförmiges, silbrig glänzendes Objekt über der Lichtung – vier Aufnahmen, die bis heute als eine der klarsten fotografischen UFO-Sichtungen aus dem Rumänien jener Zeit gelten.

Was hat es mit dem Schloss von Iulia Hasdeu in Câmpina auf sich?

Ihr Vater, der Gelehrte Bogdan Petriceicu Hasdeu, ließ das Schloss 1894–1896 errichten, angeblich nach Bauanweisungen, die ihm der Geist seiner mit 18 Jahren verstorbenen Tochter in Séancen übermittelt habe – mit drei Türmen und Treppen mit je sieben Stufen.

Sind die Geistererscheinungen an beiden Orten belegt?

Nein – anders als die dokumentierten, realen Fakten (die verdrehten Bäume, Barneas vier Filmbilder, das Schloss selbst) sind die Berichte über ein verschwundenes Mädchen im Wald oder Iulias Geist im weißen Morgenmantel ausschließlich mündlich überlieferte Erzählungen ohne Belege.

Verwandte Artikel

Die Karpaten-Chroniken von Corben Vale erzählen genau solche Geschichten – nach wahren Begebenheiten. „Das Dorf der Erhängten“ und „Stafii“ sind in sieben Sprachen erschienen.

Zum Newsletter gibt es das kostenlose PDF »Dreizehn wahre Bräuche aus den Karpaten« dazu.

Teilen WhatsApp Facebook E-Mail

Weiterlesen