Startseite · Legenden & Bräuche · Pricolici – der Werwolf-Vampir der Karpaten

Aus den Karpaten

Pricolici – der Wolf, der nicht sterben will

Zwischen Werwolf und Vampir: das rumänische Wesen, das nie sein Wolfsgesicht ablegt.

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Ein Schatten streicht nachts ums Dorf, zu groß für einen gewöhnlichen Wolf, lautlos auf vier Pfoten. Die alten Frauen der Karpaten haben einen Namen dafür: pricolici. Anders als der strigoi behält er nie sein menschliches Gesicht – er bleibt Tier, bis der Morgen graut.

Zwei Wege, ein Pricolici zu werden

Der Überlieferung nach entsteht ein Pricolici auf zwei Wegen: als Kind, das nach dem Abstillen noch einmal an die Brust gelegt wurde – ein Verstoß gegen die natürliche Ordnung, den die Alten schwer büßen ließen. Oder als gewalttätiger, boshafter Mann, der nach seinem Tod in Wolfsgestalt zurückkehrt, um sein altes Leben fortzusetzen. Bis heute schreiben manche Dorfbewohner ungewöhnlich große, angriffslustige Wölfe in den Karpaten diesem Aberglauben zu.

Pricolici, Strigoi, Vârcolac – wo die Grenzen verschwimmen

Volkskundler sind sich einig: Die Begriffe pricolici, strigoi und vârcolac wurden in den Karpaten nie ganz sauber getrennt. Der Pricolici trägt immer Wolfsgestalt, der Strigoi bleibt äußerlich Mensch. Der Vârcolac wiederum gilt vielerorts als eigenständiges Wesen, das Sonne und Mond frisst und so Finsternisse erklärt – manchmal auch als kobold-ähnlicher Geist gedacht. In der Nacht des heiligen Andreas, dem 30. November, gelten der Überlieferung nach Strigoi, Moroi und Pricolici als besonders mächtig. Bis heute hängen manche Familien deshalb Knoblauch an Türen und Fenster. In den Karpaten-Chroniken taucht kein Pricolici auf, wohl aber sein Vorbild: In strengen Wintern kommen die Wölfe bis an die Höfe und in die Gärten, und der Erzähler von „Das Dorf der Erhängten“ sah einen am hellen Nachmittag im eigenen Garten.

Dokumentierte Fälle

Auch der Pricolici ist mehr als eine Erfindung für Buchcover. Die US-Folkloristin Rosemary Guiley nahm ihn 2004 in ihre Encyclopedia of Vampires, Werewolves, and Other Monsters auf. Schon 1888 erwähnte Emily Gerard in The Land Beyond the Forest die rumänischen Werwolf-Vorstellungen neben denen des Vampirs – ein eigenes Kapitel trägt den Titel „Vampires and Were-wolves". Und der Aberglaube ist nicht nur Geschichte: Bis heute berichten Bewohner ländlicher Regionen Rumäniens von ungewöhnlich großen, einzeln jagenden Wölfen, die sich anders verhalten als gewöhnliche Rudeltiere – für manche ein Zeichen, dass kein gewöhnliches Tier unterwegs war.

Häufige Fragen

Was ist ein Pricolici?

Ein Wesen der rumänischen Folklore zwischen Werwolf und Vampir – anders als der Strigoi bleibt es immer in Wolfsgestalt.

Wie wird man der Überlieferung nach zum Pricolici?

Entweder als Kind, das nach dem Abstillen noch einmal gestillt wurde, oder als gewalttätiger Mensch, der nach dem Tod in Wolfsgestalt zurückkehrt.

Was unterscheidet den Pricolici vom Vârcolac?

Der Pricolici trägt immer Wolfsgestalt, während der Vârcolac vielerorts als eigenständiges Wesen gilt, das Sonne und Mond verschlingt – die Grenzen zwischen beiden sind historisch verschwommen.

Welche Rolle spielt der Pricolici in der Nacht des heiligen Andreas?

Am 30. November gilt er der Überlieferung nach neben Strigoi und Moroi als besonders mächtig – bis heute hängen manche Familien deshalb Knoblauch an Türen und Fenster.

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Die Karpaten-Chroniken von Corben Vale erzählen genau solche Geschichten – nach wahren Begebenheiten. „Das Dorf der Erhängten“ und „Stafii“ sind in sieben Sprachen erschienen.

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